Samstag, 29. September 2012

FOTOS

Hier endlich die ersten Fotos von meinem Zuhause und der Umgebung. Tut mir echt leid, dass das so lange gedauert hat, aber ich hab völlig vergessen, Fotos zu machen!

Mein Schulweg: morgens bergab, nachmittags bergauf
 

 
Der Blick aus meinem Fenster
 

Unser "Vorgarten"
 

Die zwei Jagdhunde: Eppu und Minka
 

So was sieht man hier oft: ein Weg, der in den
Wald fuehrt
 


Das wunderschöne, alte Mökki von unseren
Nachbarn
 


 

Rueckblick

Es sind jetzt fast schon zwei Monate vergangen.
Zwei Monate... so lange war ich bis jetzt noch nie von Zuhause weg. Zwei Monate, das ist so viel Zeit, gleichzeitig aber auch wieder so wenig.
Es war echt erschreckend, als meine Gastmama nach einem Monat zu mir gesagt hat: "Jetzt sind es nur noch zehn Monate und dann gehst du wieder weg." Ich dachte nur: NEEEEEIN! Ich will nicht weg! So wenig nur noch?!
Denn nach einem Monat habe ich langsam gemerkt, dass ich hier heimisch werde und mich wie zu Hause fuehle. Davor war ich nicht mehr richtig in Berlin, es war schon zu weit weg, aber ich war auch noch nicht richtig in Finnland angekommen. Irgendwo dazwischen...
Doch jetzt spuere ich dieses Gefuehl, dass man hat, wenn man zu Hause ist. Ich kann nicht beschreiben, wie sich das anfuehlt. Hoffentlich wisst ihr, was ich meine.

Doch wie genau sieht mein neues Zuhause hier aus? Ich habe darueber noch gar nichts geschrieben, dabei ist es das, was euch am meisten interessiert, so habe ich jedenfalls das Gefuehl.
Ich kann nicht genau sagen, ob das Leben hier anders ist. Ja, natuerlich, auf jeden Fall, aber ich wuerde es nicht "anders" nennen, eher "neu".
Wir sind viel draussen. Als es noch wärmer war, haben wir fast jeden Tag im Wald Beeren gepflueckt und Volleyball oder Fussbal gespielt. Als noch Sommer war (die ersten zwei, drei Wochen) haben wir natuerlich auch fleissig die letzten Erdbeeren gepflueckt! Jetzt ist es kälter geworden (meistens zwischen 5 und 10 Grad), doch die Kälte schreckt nicht davon ab, joggen zu gehen, Inliner zu fahren (das lieben die hier!) oder mit den Hunden im Wald spazieren zu gehen.
Da es hier schlecht aussieht mit Hobbies und Freizeitaktivitäten, habe ich viel Zeit zum Lesen, Klavierspielen, Sockenstricken und Sportmachen. Ich muss mindestens einmal am Tag draussen sein, sonst fuehle ich mich wie ein mit abgestandener, warmer Luft aufgepusteter Luftballon, der verschrumpelt in der Ecke liegt.
Das Leben hier in einer so grossen Familie ist jetzt auch nicht so extrem anders. Um die ganze Wäsche kuemmert sich meine Gastmama und wenn sie zu Hause ist, kocht sie auch, wenn wir von der Schule kommen. Wenn sie auf Arbeit ist, kocht eines der Kinder. Und dadurch, dass die Finnen mehrmals am Tag warm essen, brauchen wir auch nicht so riesige Portionen zu kochen. Mit dem Geschirr regeln wir das hier so: jeden Tag ist ein anderer an der Reihe, der alles in den Geschirrspueler räumt, den Geschirrspueler anschmeisst und ihn wieder ausräumt.
Am Wochenende machen wir meistens sauber. Jeder kriegt einen Raum zugeteilt, den er putzen muss und in einer Stunde ist das Haus wieder sauber.
 Alles viel weniger kompliziert, als ich mir das vorher vorgestellt habe.
Jeden Abend gehen wir in die Sauna, aber das in Etappen. Zuerst gehen die kleinen Geschwister, dann die Jungs und meistens gehen meine grossen Schwestern und ich als letzte in die Sauna. Danach sitzen wir draussen auf der Bank, geniessen die Stille, schauen in die Sterne... ich liebe Sauna!!


Schule beginnt hier um kurz vor neun. Wir stehen halb sieben auf, essen Fruestueck und fahren halb acht mit den Fahrrädern zur Bushaltestelle (ist nur 1km). Der Bus braucht eine Stunde zur Schule. Erst sammelt er alle Kinder (Grundschule und Gymnasium) ein und setzt sie in Pyhäntä ab und dann fährt er nach Pulkkila zur Oberschule.
Ich verstehe die Stundenverteilung immer noch nicht richtig. Die erste Stunde sind zwei Stunden ohne Pause und nach der dritten (oder zweiten) Stunde ist Mittagspause, um elf bis halb zwölf. Dann haben wir noch vier weitere Stunden oder Freistunden und um 15.00 fährt der Bus wieder nach Hause. Manchmal kann ich mit meinem grossen Bruder mit dem Auto nach Hause fahren, wenn er auch frueher Schluss hat, aber meistens warten wir auf den Bus. In der Zeit spielen wir Volleyball, sitzen auf den Sofas und reden oder sind an den Computern. Ich bin gewöhnlich zwischen vier und halb fuenf zu Hause, wo es dann gleich das zweite Mittagessen gibt.

Im ersten Jakso hatte ich fast keine Hausaufgaben auf. Ich habe ja nichts im Unterricht verstanden und die Lehrer sind auch nicht auf die Idee gekommen, irgendetwas auf Englisch zu uebersetzen. Es war zum Teil ziemlich langweilig in den Stunden, weil ich nichts zu tun hatte, aber auch nichts verstanden habe. Ich sass meistens mit einem Wörterbuch da, hab auf die PowerPoint Präsentation gestarrt (das ist hier die beliebteste Art zu unterrichten: eine PowerPoint und der Lehrer steht vorne und redet) und die Wörter uebersetzt. Zudem waren meine Fächer im ersten Jakso auch noch Gesundheitslehre, Psychologie und Mathe... also sprachlich schwere Fächer fuer Leute, die kein Finnisch verstehen. In Mathe hat der Lehrer nämlich auch die ganze Zeit nur geredet. Deshalb hab ich mir das Mathebuch genommen und im Unterricht einfach irgendwelche Aufgaben gerechnet. Doch Gesundheitslehre und Psychologie waren, wenn ich ehrlich bin, schon ziemlich langweilig und zäh.

Doch jetzt hat ein neues Jakso angefangen und meine Kurse sind Geschichte, Englisch, Finnisch und Deutsch! Viiiiiel besser und jetzt verstehe ich ja auch schon mehr im Unterricht und kann mitreden oder eher gesagt mitdenken. Und jetzt sind die Leute auch viel offener!
Es war am Anfang nämlich sehr schwer, immer wieder auf die Leute zuzugehen, Fragen zu stellen, zu reden. Irgendwann sind mir die Fragen ausgegangen und es war sehr schwer, trotzdem immer wieder den Motor anzuschmeissen und zu reden. Doch die Muehe hat sich gelohnt, denn jetzt sieht es GANZ anders aus! Jetzt fragen die Leute, sie fangen an, von sich zu erzählen und machen Witze. Ich bin immer uebergluecklich, wenn ich meine Freunde im Bus oder in der Schule sehe, denn wir hatten eine so schwere und zähe Zeit am Anfang... Doch wie gesagt: es wird immer besser!

Okay, aber jetzt genug geredet. Liebste Gruesse aus Finnland!

Montag, 24. September 2012

koeviikko

Letzte Woche war die grosse Testwoche - koeviikko.
Im Laufe jeder Periode schreibt man nur kleine Tests, die grossen Arbeiten (Klassenarbeiten oder Klausuren bei uns in Deutschland) werden am Ende jeder Periode in der koeviikko geschrieben; das heisst aber auch, dass man den gesamten Stoff der letzten sechs Wochen lernen muss. Die koeviikko ist eine Woche, in der man jeden Tag in jedem Kurs eine Arbeit schreibt (ausser Musik und Sport und Kunst) und einen Tag vor der entsprechenden Arbeit hat man noch mal zwei Pflichtstunden in dem jeweiligen Fach.
Man hat maximal 3 Stunden Zeit fuer die Arbeit, aber erst nach anderthalb Stunden darf man die Arbeit abgeben und aus dem Klassenraum gehen.

Die koeviikko hat fuer manche schon am Freitag (15.09.) angefangen. Ich habe "nur" drei Arbeiten geschrieben: in Gesundheitslehre, Mathe und Psychologie. Zum Glueck hatte ich von allen Arbeiten eine finnische und eine englische Version und ein Wörterbuch dabei.
Es ist voll komisch: die Arbeiten muessen auf einem bestimmtem koepaperi geschrieben werden und kein anderes ist zugelassen. Das koepaperi ist eine zusammengefaltete A3 Seite mit extragrossen Kästchen.

Meine erste Arbeit war in Gesundheitslehre. Bei den meisten Aufgaben musste ich Begriffe erklären, z.Bsp. sagen, wozu Schlafmangel fuehren kann und wozu wir Kohlehydrate, Proteine und Fette brauchen. Es ging bunt durchmischt durch die Themen Essen, Schlafen, Sport, Erste Hilfe und Krankheiten. Ich habs geschafft und ALLES in finnisch geschrieben, meine ganze Arbeit in finnisch! Aber es wurde auch die "schlechteste": eine 6-
Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich mich null auf diese Arbeit vorbereitet habe... :D

Das Notensystem hier ist ein bisschen anders: das beste ist eine 10 und mit einer 5 hat man gerade so bestanden.

Die nächste Arbeit war Mathe. Am Abend davor bin ich noch mal die ganzen Aufgaben durchgegangen und hab mir im Buch die Beispiele angesehen. An sich war die Arbeit einfach: proportionale und antiproportionale Zuordnungen, Potenzen und Wurzeln, Gleichungen und Prozentrechnung. Ich habe in der Arbeit eine 7,5 bekommen und fuer den ganzen Kurs eine 8.

Die letzte Arbeit war fuer mich am Donnerstag in Psychologie und hier habe ich mich wirklich am Abend davor hingesetzt und mich durch Wikipedia geklickt, um wenigstens ein bisschen bescheid zu wissen. Denn was hilft es mir, wenn ich auf Englisch schreiben kann, wenn ich nicht weiss, WAS ich hinschreiben soll. Ich habe wirklich die ganze Arbeit auf Englisch geschrieben (sechs Definitionen und einen Aufsatz), meine Muehe hat sich aber gelohnt: ich habe 11 von 15 Punkten bekommen. Jetzt muss ich noch einen psychologischen Test entwerfen (keine Ahnung, wie ich das machen soll!!) und wenn ich den abgegeben habe, bekomme ich meine endgueltige Note.

Meine Freundin hatte die geniale Idee, dass wir, wenn die Arbeiten vorbei sind, alle zusammen Essen gehen und das haben wir auch getan. Es war ein winziges Restaurant. Das erste, was ich bis jetzt gesehen habe. Wir waren die einzigen Gäste, aber es war trotzdem echt schön. Wir wollen das jetzt immer machen, wenn die Testwoche vorbei ist.... ihr könnt euch sicher denken, dass ich mich schon wie wild auf die nächste koeviikko freue. ;)

Jetzt hat ein neues Jakso begonnen und es ist gleich viiiiiiiiel besser, denn ich habe Englisch und Deutsch. Endlich kann ich mal was verstehen und im Unterricht mitarbeiten!

 
 
   Festmahl nach der koeviikko: Hamburger,
   Pommes und Putensalat, mmmhh!
 

Unser Zimmer nach der koeviikko.
Meine Schwester hatte ja schon ein
bisschen mehr Stress als ich... :D

Freitag, 14. September 2012

ERBSENSUPPE

Unglaublich: heute gab es endlich mal Erbsensuppe!!!
Haha, okey, lasst mich die Begeisterung erklären...
Ich habe vor meiner Abreise ein sehr witziges und empfehlenswertes Buch gelesen (Die spinnen, die Finnen). Das Buch ist eine Art Autobiografie, denn der Autor ist Deutscher, hat aber eine finnische Frau und lebt in Finnland. Er fuehlt sich nicht wie ein richtiger Finne und stellt deshalb eine Sieben-Punkte-Liste auf, was er alles machen muss, um ein echter Finne zu werden. Dabei erzählt er viel ueber Finnland, finnische Kultur und finnische Gewohnheiten. 
Auf dieser Liste steht unter anderem: sich donnerstags auf Erbsensuppe freuen. Es ist anscheinend jeder Finne ein Fanatiker von Erbsensuppe an Donnerstagen... doch als ich hierher kam: weit und breit keine Erbsensuppe und ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, doch was stand heute auf dem Mittagstisch, als wir von der Schule nach Hause kamen?! 
ERBSENSUPPE!!!!!! :D
Und die hat echt lecker geschmeckt (obwohl heute Freitag ist...).
Das war's von heute, bald kommt ein Bericht ueber meine erste Testwoche hier in Finnland, die ist nämlich nächste Woche.




Montag, 10. September 2012

yökoulu - nachtschule

Normalerweise geht man freitags, nachdem die letzte Stunde vorbei ist, nach Hause und packt sich auf die Couch und denkt: zum Glueck ist jetzt Wochenende.
Doch am 7.9. war das anders. Alle kamen mit Schlafsäcken und Isomatten zur Schule, meine Klasse musste sogar noch Sportzeug mitnehmen, weil wir Sport hatten.
Nach der letzten Stunde blieben wir in der Schule, weil yökoulu war, uebersetzt so viel wie Nachtschule, mir fällt gerade kein besseres Wort dafuer ein.
Es fing ein bisschen langweilig an, wir hörten einen Vortrag ueber das Lukio, ich verstand natuerlich ALLES ;)
Die Direktorin lief schon um vier mit rosa, plueschigen Schweinchen-Hausschuhen herum, ich habe sie am nächsten Morgen gefragt, ob ich ein Bild davon machen kann, ich durfte! (ich habe das Bild mit einer analogen Kamera gemacht und kann es leider nicht hochladen)
Doch dann spielten wir Volleyball und je länger der Abend wurde desto lustiger wurden die Leute und die Atmosphäre. Wir hatten ein Tischtennisturnier geplant, bei dem meine grosse Schwester gewann (gegen mich :D) und als es dunkel war, machten wir draussen ein kleines Feuer und haben Pfannkuchen und Wuerste gegessen (das ist die finnische Alternative zu Stockbrot).
Am lustigsten war es, als auch die Lehrer mit Volleyball gespielt haben, einige waren wirklich sehr engagiert.
Um zwei Uhr nachts sind die meisten dann ins Bett gegangen, ich habe in meinem Matheklassenraum geschlafen... es war schon ein bisschen komisch (ich fand am komischsten, als ich mir die Zähne an den Waschbecken im Flur geputzt habe... putzt euch mal die Zähne in der Schule, das ist ja sowas von ulkig :D).
Natuerlich sind wir nicht sofort eingeschlafen, sondern haben noch LAAAAANGE geredet. Insgesamt habe ich drei oder vier Stunden geschlafen, einige haben sogar die ganze nacht durchgemacht.
Am Morgen war eigentlich Fruehsport mit der Direktorin angesagt, aber ich glaube, keiner hatte Lust, um sechs aufzustehen.
Direkt nach dem Fruehstueck sind auch schon die Busse abgefahren und ich war froh, dass mein Schulweg so lang ist.
Noch eine Sache: die Leute, die nicht da waren, mussten einen vierseitigen Aufsatz schreiben (ueber den Einfluss der Gesellschaft auf Jungendliche oder so...?)... so kann man das mehr oder wenige freiwillige Kommen auch erzwingen, haha :D





Mittwoch, 29. August 2012

mein erster schultag

Ich hatte noch eine Woche Ferien, nachdem ich angekommen war. Gleich am nächsten Morgen hatte meine Schwester Geburtstag. An dem Tag haben wir eine kleine Radtour gemacht und mit den kleinen Geschwistern Karten gespielt uuuuund: es gab super leckere Erdbeertorte!!
Den Rest der Woche verbrachten wir grösstenteils zu Hause und meine grosse Schwester brachte mir Finnisch bei.
Einmal sind wir nach Oulu shoppen gefahren, dann haben wir unsere Nachbarn in ihrem wunderschönen alten Mökki besucht und an einem Abend waren wir auch bei einer Freundin von meiner Schwester im Mökki. Dort habe ich auch andere Mädchen kennengelernt, die auf meine Schule gehen. Ich habe auch schon mal bei meiner Schule vorbeigeschaut, um einiges mit der Direktorin abzusprechen. Es war ein bisschen komisch, denn sie hat mit mir nur Deutsch gesprochen, obwohl meine Gastschwester und mein Gastpapa neben mir sassen.
Alles in allem war die erste Woche Ferien in Finnland echt gut zum Einleben in die Familie. Ja, ihr fragt euch sicher, wie denn meine Gastfamilie ist. Ich kann nur sagen: natuerlich super nett und toll! :)

Und dann war schon der erste Schultag. Es fiel mir morgens sehr schwer, aus dem Bett zu kommen, ich war so muede! Es war nicht nur mein erster Schultag, sondern auch der erste Schultag von meinem kleinen Bruder, der genauso wie ich nicht sonderlich aufgeregt war.Wir fuhren mit den Fahrrädern zur Bushaltestelle. Es war erstaunlich kalt und der Bus erstaunlich voll. Er fuhr erst zur Grundschule und zum Gymnasium in Pyhäntä und dann zur Oberschule in Pulkkila. Im Bus waren auch zwei Mädchen, die am Abend davor bei uns zu Besuch waren, damit ich sie schon mal kennenlernen konnte. Fuer sie war es auch der erste Schultag in der Oberschule und ich war echt froh, dass ich mich nicht allein zurechtfinden musste.

An dieser Stelle kann ich euch mal ein bisschen ueber das finnische Schulsystem erzählen. Es gibt sozusagen drei Abschnitte:
die Grundschule von der ersten bis zur sechsten Klasse,
das Gymnasium von der siebten bis zur neunten Klasse und
das Lukio (entspricht unserer Oberstufe) von der zehnten bis zur zwölften Klasse.
Im Lukio ist es so: jedes Schuljahr ist in sechs Perioden eingeteilt, die jeweils sechs Wochen umfassen. Man hat pro Periode fuenf Kurse, die man aber auch tauschen kann. Am Ende jeder Periode gibt es eine Testwoche, in der der Stoff der letzten sechs Wochen abgefragt wird.

Ich bin in der ersten Klasse im Lukio. Das ist ganz gut, denn fuer meine Klassenkameraden ist das auch eine neue Situation. Ausserdem kriegen wir die Schulbuecher von der Schule.
Auf meiner Schule sind ungefähr 50 Schueler, das heisst pro Jahrgang gibt es eine Klasse. Ein bisschen ungewohnt ist es schon, aber die kleine Schule hat auch ihren Vorteil: in den Pausen spielen wir Tischtennis, Volleyball oder Billard, es gibt einen Computerraum und gemuetliche Sofas und die zweiten Klassen organisieren den Kiosk, fast jeden Tag gibt es Kuchen, mmmhh!! :D

Aber zurueck zu meinem ersten Schultag: als erstes versammelte sich die ganze Schule in der Turnhalle und die Lehrer stellten sich vor. Ich kenne Horrorgeschichten von Austauschschuelern, die sich an ihrem ersten Schultag vor der gesamten Schule auf der Fremdsprache vorstellen mussten - das blieb mir zum Glueck erspart. Danach ging es in die Klassen (in meiner Klasse sind ungefähr 20 Schuler). Unsere Klassenlehrerin kam, hat sich auch vorgestellt und dann sollten wir uns vorstellen. Das war gar nicht so schlimm, ich habs sogar in Finnisch geschafft, doch dann begann sie zu reden und reden und reden und reden... in Finnisch natuerlich und ich verstand kein einziges Wort. Um ehrlich zu sein: es war langweilig.
Um elf gab es Mittagessen in der Schule (auch kostenlos fuer alle). Es ist zwar eine kleine Schule, aber man muss trotzdem anstehen, ehe man sein Essen bekommt. Während einem in Deutschland von der Essensfrau der Teller gefuellt wird, kann man sich hier selber bedienen. Zu jeder Mahlzeit gibt es auch Salat und Milch. Das ist eine Sache, die mir sehr aufgefallen ist: in Finnland trinkt man extrem viel Milch!
Danach sind wir in die Kirche gegangen und hatten eine Art Gottesdienst oder Begruessungsappell, doch keiner hat zugehört oder mitgesungen. Ich habe mit meiner Schwester und ihrer Freundin geredet, wir haben ein ueber die Lehrer und die Direktorin gelästert. Das hat echt Spass gemacht. :D
Dann ging es wieder zurueck zur Schule und eine weitere Stunde finnisches Gerede. Wir haben unsere Stundenpläne bekommen und konnten nach Hause gehen.

Das war mein erster Schultag. Jetzt, wo ich das geschrieben habe, wirkt er ganz unspektakulär. Ich muss ehrlich sagen: es war langweiliger als ich erwartet habe, aber denkt jetzt nicht, dass es in irgendeiner Weise nicht aufregend gewesen wäre.

Es tut mir ja so leid, dass ich drei Wochen nach dem die Schule begonnen hat erst ueber den ersten Schultag schreibe! Ich bin zwar schon fast einen Monat hier, trotzdem ist vieles noch aufregend und neu und ich habe viele andere Dinge zu tun.
Das nächste Mal schreibe ich ueber die erste Woche in der Schule und ueber mein Familienleben hier. Bis dahin wuensche ich euch eine schöne Zeit und wenn ihr Fragen habt: FRAGT!!! :D 

Donnerstag, 16. August 2012

Arrival Camp

So, hier nun wie versprochen meine ersten Tage im Arrival Camp und auch die ersten Momente mit meiner Gastfamilie.
Vom Flughafen in Vantaa sind wir direkt ins Arrival Camp in Anjalankoski gefahren, wo wir alle Austauschschueler aus der Welt getroffen haben, die ihr Austauschjahr auch in Finnland verbringen.
Kanada, USA, Mexiko, Schweiz, Frankreich, Ungarn, Thailand, Japan... alles war dabei, doch von den insgesamt 67 Austauschschuelern waren 37 aus Deutschland.
Das erste, was uns auffiel war: Warum essen die hier so viel?!
Alle paar Stunden gab es etwas zum Essen: Fruehstueck, Mittag, Nachmittagssnack, Abendessen, Abendsnack. Um also nicht zu platzen, war es ratsam, sich nur kleine Portionen zu nehmen.
Das Arrival Camp war noch mal die letzte Vorbereitung fuer unser Austauschjahr. Wir haben in AG's das Wichtigste besprochen: das Support System, die Erwartungen an uns, die Regeln... wir haben aber auch viel ueber Finnland gelernt: das Schulsystem, das Essen, Sportarten, Musik... und natuerlich haben die die Sauna kennengelernt. Denn am letzten Abend war Saunaabend, wir sind alle in die Sauna gegangen und konnten schon mal die Sauna geniessen.

Und schliesslich war es endlich so weit: der feierliche Tag.
Ich weiss nicht, ob es Aufregung war oder etwas anderes, jedenfalls hatte ich ein sehr komisches Gefuehl im Bauch und konnte nichts essen. Wir packten unsere Koffer, räumten die Zimmer aus und mussten uns dann fuer den Rest des Tages im Essensgebäude aufhalten, weil unsere Gastfamilien schon kamen (sie hatten auch noch mal ein Seminar zur Vorbereitung).
Die letzten Stunden verbrachten wir damit, Fragen zu beantworten, einen Brief an uns selber zu schreiben und noch mal zu quatschen.
Ich muss sagen, es gab einen kleinen Moment, in dem ich so aufgeregt war, dass ich dachte: okey, jetzt will ich doch wieder zurueck.
Aber als es dann so weit war und wir nach draussen gingen, wo unsere Gastfamilien warteten, war alles wieder gut. Ich wollte mich gerade umsehen und nach irgendwie bekannten Gesichtern suchen, da kam meine grosse Schwester schon auf mich zugerannt und rief: Julia!
Und von dem Moment an waren auch die letzten Zweifel weg und falls noch ein bisschen Angst dagewesen war... sie verpuffte sofort.
Hatte ich mir eben noch gewuenscht, wieder zu Hause zu sein? Wie albern...
Da waren also meine grosse Schwester und mein Gastpapa gekommen, um mich abzuholen. Wir hatten noch ein paar Minuten Zeit, mit den anderen Austauschschuelern und deren Gastfamilien zu reden, doch wir mussten auch schnell wieder los. 6 Stunden Autofahrt lagen vor uns.
Ganz untypisch finnisch quatschen wir fast die ganzen sechs Stunden lang durch (auf englisch). Nur einmal machten wir Pause in Kuopio bei einer Tante und tranken Kaffee.
Dann ging es wieder weiter...  und schliesslich waren es nur nch 50km, 20km, 10km und ich sah das grosse gelbe Haus vor mir.
Die Tuer ging auf und da standen sie alle: meine Gastmama und meine Gastgeschwister. Alle waren genauso aufgeregt wie ich und begruessten mich freudig, wollten wissen, wie mein Tag war. Dann zeigten sie mir das Haus und mein Zimmer. Ich packte meinen Koffer schnell aus, wir haben Abendbrot gegessen und ich habe von dem Arrival Camp und von Berlin erzaehlt und nach dem Essen ab in die Sauna.
Es ist so angenehm, nach einem anstrengenden Tag in die Sauna zu gehen, alles auszuschwitzen und danach die Stille der Dämmerung geniessen. Es ist echt schoen und jeden Abend freue ich mich auf die Sauna.

Und dieser Eintrag ist wieder so extrem lang geworden... bitte seid nicht sauer, dass ich immer noch keine Bilder hochgeladen habe. Ich verspreche: sie kommen!!